Mein
1. Feuerlauf
Silvester 1999: Der Schnee lag ca. 20 cm hoch und mitten auf dem
Platz war ein Stapel Buchenholz - gut und tief eingeschneit. Mein erster
Feuerlauf sollte das werden. Ich wusste zwar schon immer, dass ich
das einmal machen möchte, aber bis dato hat sich noch nie so richtig eine Gelegenheit
dazu ergeben. Nun aber passte es und ich war plötzlich mitten drin im
Seminar. Der Vortrag und die mentale Vorbereitung waren sehr gut. Ich konnte es fast nicht erwarten und sehnte mich schon
ungeduldig nach dem Ende der Vorbereitungen. Für mich war es von Anfang an klar:
Ich möchte da drüber gehen, ich werde da drüber gehen!
Die
Gruppe war super, dennoch war eine gewisse Gespanntheit und teilweise auch
Skepsis zu bemerken. Viele möchten einfach nur
probieren, wie und ob es überhaupt funktioniert. Aber die Gruppe wächst
zunehmend zusammen. Ein tolles Gefühl - !!
Am Nachmittag gingen wir dann raus und mussten buchstäblich die
Buchenscheite aus dem Schnee ausgraben. Das war eine außergewöhnliche
aber lustige
Arbeit, nur mir war es unerklärlich, wie der Trainer Werner Supper diesen
mit Schnee "verzierten" Scheiterhaufen überhaupt je zum Brennen bringen wollte? Aber mit einer
mysteriösen, grünen Brandpaste schaffte er es tatsächlich!
Nach einer Vorbereitungszeit von rd.
einem Tag war es dann so weit. Der Abend war angebrochen und wir standen mit großem Respekt
vor dem brennenden Holzstoß. Das Feuer verstrahlte eine unglaubliche Hitze,
sodass
wir von Zeit zu Zeit noch einen Schritt weiter zurückgehen mussten. Aber
die Wärme war natürlich sehr angenehm.
Eine
Qi-Gong-Meisterin macht Energie-Übungen, das fühlte sich gut an. Dennoch kann
ich es mir zu diesem
Zeitpunkt wirklich schwer vorstellen, dass ich kurze Zeit später tatsächlich mit
bloßen Füßen über die frisch heruntergebrannten glühenden Kohlen gehen
soll.
Über einen Kohlenteppich, der immerhin noch zwischen + 700 und +900 Grad Celsius hat!
Die
meisten in der Gruppe sind sich einig, dass das Ganze nach der herkömmlichen Logik
nicht
funktionieren kann. Ich erinnere mich an den Physikunterricht und vielleicht auch an
heiße Sommertage am Strand, wo der Sand auf ca. 30 - 40 Grad erhitzt war und
ich bei ein paar Schritten schon brennende Fußsohlen hatte. Hier hat der Kohlenteppich
20 mal mehr Temperatur als der heiße Sand. Zinn oder Alu würde sofort
schmelzen und ein Sekundenbruchteil reicht, um schwerste Verbrennungen davonzutragen.
Aber daran denke ich gar nicht, sondern eher daran, wie ich drüben
ankomme, bei meinem Ziel.
Endlich stand ich
am Start. Vor mir der Teppich aus glühenden Kohlen. Innerlich
beobachtete ich mich aber, ob nicht doch kurz vor dem Start eine Angstreaktion
aufkommt ---
doch nichts dergleichen geschah! Und dann kam ich an die Reihe, der
Trainer gab die Bahn frei und ich machte einige Schritte. Plötzlich war ich auf der anderen Seite angelangt. Wie bin
ich da rüber gekommen..??? Großes Erstaunen meinerseits! Ich hatte keine
Ahnung! Ich spürte auch keinerlei Hitze, nur ein lauwarmes angenehmes
Gefühl in den Fußsohlen. Irgendwie schien es mir, als ob ich gar nicht über die
glühenden Kohlen gelaufen wäre. Um alle Zweifel zu beseitigen, lief ich gleich
noch einmal und noch einmal .... Ich weiß gar nicht mehr, wie oft es war.
Aber es klappte jedes mal hervorragend. Keine
Schmerzen, keine Brandblasen, keine Verletzung, nichts! Nur ein gutes
Gefühl. Ich überquerte den
Glutteppich jedes mal heil und völlig unverletzt. Eine tolle Sache, die
eine riesengroße Freude auslöste. Schon damals wusste ich,
das ist was für mich - und es ist sicher nicht mein letzter Feuerlauf.
P.S: So war es dann
in der Folge auch. (Bild zum Vergrößern anklicken).
Wolfgang Hauptwall, Graz
Die
Urkunde ruft es mir immer wieder in Erinnerung:
Die Grenzen sind nicht so eng, wie wir denken.
Mit der entsprechenden Vorbereitung kann man auch
das schier Unmögliche schaffen!
Und ich habe es geschafft! Da kommt Freude auf!
(Urkunde zum Vergrößern anklicken!)
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Am
Rande bemerkt: Eine kleine Story über Mut:
Bei
diesem Feuerlauf war auch ein ganz mutiger Herr dabei, den wir alle sehr
bewunderten. Er hatte sich bei seinem Feuerlauf Nr. 2 - vor gut
einem Jahr - ein paar böse Blasen
geholt. Nicht bei unserem Trainer WERNER, sondern bei einem
anderen. Nun hat er sich
aber tatsächlich entschlossen, es nochmal zu wagen. Er fasste neuen Mut
und stellte sich ein drittes Mal der großen Herausforderung. Dass er soweit gekommen
ist, war nur mit längerem, also wochenlangen Mentaltraining möglich, wie er sagte.
Wir
bewunderten ihn alle ehrlich, als er zum Startplatz für den Feuerlauf ging und ein paar
Sekunden vor dem rotglühendem Kohlenteppich stand. Das war wirklich Mut, denn er hatte
bereits eine unliebsame Erfahrung hinter sich. Wir hatten im Vergleich dazu eine neutrale Ausgangsposition. Dann aber kam
das Kommando und er lief siegreich über die glühenden Kohlen, diesmal ohne die geringsten
Probleme.
Der Applaus war ihm gewiss und er selbst hatte sich darüber wohl
am meisten gefreut, hatte er doch einen großen Sieg gegen die Angst errungen. Ihm war
sichtlich ein Stein vom Herzen gefallen - und er hatte wirklich großen Mut bewiesen! Wir
alle waren tief beeindruckt und begeistert. Der Feuerlauf schaffte in
der Gruppe tiefe Verbundenheit und Freundschaft. Das war toll, genau so wie
die anschließende Silvesterfeier!
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